Was ist das?

Diese Frage stand am 3. Oktober in viele kleine, gefiederte Gesichter geschrieben.
655 Hennen und ein Hahn verließen eine Bodenhaltung im Raum Düren, um mit den Transportern der Hühnerrettung NRW e.V. zu den Übergabeorten und somit zum wichtigsten „Date“ ihres Lebens zu reisen, denn an den Übergabeorten lernten sie ihre neuen Besitzer kennen.

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Natürlich zeigte sich die Mehrzahl der in der Halle einzufangenden Hennen erstmal ängstlich, wenn unsere „Ausstaller“ sie packten und in den Vorraum zu den Transportkisten trugen. Einige kompensierten ihre Angst mit Kampfgeist und bissen um sich, als ob es um ihr Leben ging. Dabei war doch genau das Gegenteil der Fall. Dank vielen, wunderbaren Adoptanten konnten diese 656 Tiere vor der Schlachtung gerettet werden. Verständlicherweise konnten die Hennen diese Information trotz unsers guten Zuredens wohl kaum verstehen.

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Immerhin beruhigten sich die meisten Tiere nachdem sie in die Transportkisten gesetzt wurden. Bereits auf dem Vorhof der Halle, auf dem die Kisten vor dem endgültigen Verladen geparkt wurden, hörten wir halblautes Hühner-Gequatsche. Keine Angst-Rufe, sondern diese leisen Verständigungslaute, die viele Hühnerbesitzer oft von ihren Hennen hören. Wahrscheinlich ging es in den hühnischen Gesprächen um Fragen wie: „Was ist das Blaue da oben? Mit den weiß-grauen Tupfen… und wenn das orange Licht dahinter hervorschaut, werden die Federn gewärmt.“ (OK, vielleicht ist das etwas weit hergeholt, aber es ist längst belegt, dass Hühner über eine ebenso komplexe wie umfangreiche Sprache miteinander kommunizieren.

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Also, lieber Leser, beweise mir erstmal das Gegenteil. Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass dieser Dialog so dutzende Male in den Boxen stattgefunden hat. Vielleicht hat auch die eine oder andere Henne „Freiheit“ vom Westernhagen angestimmt … wir wissen es nicht.)

Mitten im Getümmel besagter Ausstallung entdeckten wir einen Hahn, der völlig am Ende seiner Kräfte nach dem Einfangen in eine Schockstarre verfiel und drohte regelrecht ohnmächtig zu werden. Er entspannte sich erst, nachdem er in eine separate Box gesetzt und abgedunkelt wurde. Ihr alle wisst, wie begehrt die wenigen Hahnen-Plätze sind, die wir hin und wieder angeboten bekommen. Und nun standen wir dort, mit einem „ungeplanten“ Hahn. Erstmal vollkommen ratlos. Doch Anja hat es geschafft. Noch aus dem Stall zwei WhatsApp geschrieben, ein Telefonat geführt…zack, der Hahn hat ein neues Zuhause. Nun kann er sich in Ruhe erholen und in ein schlachtfreies, glückliches Leben mit einer übersichtlichen Anzahl Hennen starten.

Zuzüglich zu den fitten Hennen, fielen uns zehn Hühner in die Hände, die aufgrund von Wunden, Bauchdeckenbrüchen und Augenverletzungen medizinische Betreuung und einen Tierarzt benötigen.

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Zwei unserer Transporter steckten im weiteren Verlauf der Rettung noch in einem gewaltigen Stau fest, doch auch diese kamen mit Verspätung, aber gut an. Und so konnten alle Hühner sowie drei weitere Hähne gesund und munter an die zukünftigen Halter übergeben werden. Am späten Nachmittag waren alle tierischen und menschlichen Beteiligten der Rettung erschöpft, aber sehr zufrieden und konnten den „Tag der Deutschen Einheit 2020“ als Glückstag verbuchen.

In diesem Sinne möchten wir uns bei allen Adoptanten für die Übernahme der Hennen und Hähne bedanken.

Macht die kleinen Botschafter/innen bitte glücklich und lasst sie ihre Geschichte in die Welt hinaustragen, damit noch mehr Menschen das „Glück des Hühnerrettens“ für sich entdecken.