Hühnerhaltung - Wichtige Infos!

Hühnerhaltung - Wichtige Infos

Die ersten Tage im neuen Zuhause

In Würde alt werden ohne ausgebeutet zu werden. Wer in der Lage ist, Tieren bzw. Hühnern ein artgemäßes Leben zu ermöglichen, sie dabei nicht in irgendeiner Form ausbeutet oder finanziellen Nutzen aus ihnen ziehen möchte, ist bei uns genau richtig. Die Hühner, die wir retten können, sind Tiere, deren Todestag bereits festgelegt war. Der Landwirt hat sie für ca. 1 bis 1,5 Jahre in seinem Stall, um sie danach auf einen Schlachttransport zu schicken.  Eigentlich am Ende ihres Lebens, ausgebeutet, oftmals federlos, schwach und entkräftet, können die Hennen aus den Eierbetrieben mit Euch den „Turnaround“ schaffen und ein glückliches Leben führen.

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Das erste Sonnenbad

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Erholung & Ruhe

Zunächst müssen sie sich im neuen Zuhause von den enormen Strapazen ihres bisherigen Lebens erholen. Mit ein wenig Geduld und Zeit werden sie alle ihre „normalen“ Verhaltensweisen entdecken, denn die evolutionären Grundlagen hat selbst die härteste Zuchtauslese ihnen nicht nehmen können. Sand- und Sonnenbäder nehmen sie mit Genuss, Gras und leckeres Grünzeug wird genauso neugierig angenommen wie Insekten und andere Leckereien. Und so steht einer glücklichen Hühner-Rente, gut und gerne noch 1-4 Jahre, nichts im Weg.

Hühnerhaltung - Wichtige Infos - Abbildung Huhn

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Eingewöhnung

In den ersten Tagen gilt es, einige Punkte zu beachten, damit die Eingewöhnung gut funktioniert. Dazu gehören die richtige Fütterung, eine gute Beobachtung und Kontrolle der Tiere, natürlich ein trockener, sicherer Stall und ein abwechslungsreicher Auslauf.

Im neuen Zuhause angekommen,

sollte den Hennen zunächst Ruhe gegönnt werden. Hilfreich, aber nicht zwingend ist es, sie erstmal von einer womöglich schon bestehenden Hühner-Gruppe zu separieren, damit sie sich orientieren können. In der sehr kalten Jahreszeit ist es ratsam, sie vorerst im Stall zu lassen (gegebenenfalls mit einer Wärmequelle), um sich zu akklimatisieren.

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Hühnerpullis

Für besonders nackte Hennen sind auch Hühnerpullis zu empfehlen, die bei unseren Rettungen verteilt werden. Diese Pullis sind auch bei Verletzungen oder im Sommer (als Shirt gegen Sonnenbrand) sehr hilfreich.

Vergesellschaftung

Bei der Vergesellschaftung ist insbesondere darauf zu achten, dass die Tiere sich aus dem Weg gehen können, da oft heftige Rangkämpfe stattfinden und die Hennen Rückzugsmöglichkeiten benötigen, denn Untereinander besteht eine feste Rang- bzw. Hackordnung, die neu geordnet werden muss.

Kontrolle

In jedem Fall solltet ihr einen Blick mehr auf die neuen Mitbewohner werfen, um zu kontrollieren, dass sie fressen, trinken und abends den Weg in den Stall finden. Natürlich dürfen unsere adoptierten Hennen nicht getötet werden. Es sei denn, dass es aus Sicht des Tierschutzes und der medizinischen Indikation unumgänglich ist.

Huehernhaltung - Huehnerpulli
Hühnerhaltung - Wichtige Infos - Abbildung Hühner auf Rasen

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Artgerechte Haltung

Wir wünschen uns, dass unsere Hennen uneigennützig als "Familienmitglied" bei euch aufgenommen werden, und dass sie durch eine artgerechte Haltung, abwechslungsreiches Futter und viel Liebe noch ein langes, gesundes, glückliches und aktives Hühnerleben bei Euch führen können!

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Der Stall und seine Einrichtung

Die wichtigsten Grundlagen einer artgemäßen Haltung sind vor allem Licht, Luft und Sonne und ein heller, trockener, gut belüfteter, jedoch zugfreier Stall. Dieser sollte auch bei schlechtem Wetter wie Wind, Regen etc. als Schutz dienen und natürlich die Hennen nachts vor Fressfeinden schützen.

Zum Thema Stall gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie selbstgebaute oder gekaufte Hühnerställe, Gartenhäuser oder auch Bauwagen, die zum Hühnerstall umgebaut werden können. Abzuraten ist in jedem Fall von sehr günstigen kleinen Hühnerställen bzw. Kaninchenställen, welche derzeit im Internet für wenige Euro angeboten werden. Qualitativ sind sie einfach sehr minderwertig.

Hühnerhaltung - Wichtige Infos - Abbildung Hühnerstall

Hier sind einige Eckpunkte, die beim Kauf oder Bau eines Hühnerstalls beachtet werden sollten:

Größe: 1m² für 3 Hühner, Höhe wenn möglich ca. 1,80m (angenehm zum Reinigen)

Material: Stein, Plastik (gut zu reinigen, guter Milbenschutz), Holz (gutes Stallklima, Versiegelung der Spalten mit Silikon gegen Milben)

Boden: Fundament aus Beton-/platten oder nagersicheres Bodengitter mit entsprechender Auflage

Isolierung: normalerweise nicht nötig bei gut befiederten Hennen, ansonsten und bei dünnen Wänden besser verschalte Dämmung, eventuell Dunkelstrahler oder Infrarotheizung

Belüftung: zu öffnende Fenster mit Volierendraht, Lüftungsschlitze, Hühnerklappe, eventuell automatischer Türöffner.

Sitzstangen für die Nachtruhe, ca. 30cm Länge pro Huhn, 4-5 cm breit mit abgerundeten Kanten, Abstand zur Stallwand ca. 35cm, Höhe ca. 50cm, wenn höher, eventuell Hühnerleiter, ca. 25cm breit mit Sprossen

Kotbrett: ca. 30 cm unter der Sitzstange anzubringen, mit Streu oder Zeitungspapier zur einfachen Reinigung bedecken

Legenester, meist teilen sich 2-3 Hühner ein Nest, z.B. klassische Legenester aus Holz oder Metall in verschiedenen Größen oder gut zu reinigende Katzentoiletten mit Bedachung

Einstreu: Kleintierstreu, Sand, Heu, feine Hobelspäne, Strohmehl, Hanfstreu

Gut zu reinigende, stabile Futter- und Trinkgefäße

Ein jährlicher prophylaktischer Innenanstrich mit Kalkfarbe zur Desinfektion ist anzuraten

Prophylaktische Anwendung von Kieselgur und / oder Microgur

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Der Auslauf

So nennt sich der Bereich, in dem sich die Hühner überwiegend aufhalten. Pro Huhn sollte eine Fläche von ca. 10qm zur Verfügung stehen. Wünschenswert ist ein abwechslungsreiches Gelände mit Gras, Wiese, Bäumen, Hecken oder Sträuchern, Kompost oder Misthaufen, da hier viele Insekten leben, die den Hühnern Futter bieten. Ebenso wichtig ist aber auch der Schattenbereich als Schutz vor Hitze und Feinden. Ein kleinerer Auslauf kann durch verschiedene Halb-Etagen (also Podeste auf ca. 70 bis 90 cm) interessant gestaltet werden. Unter den Podesten befinden sich „Höhlen“ zum Ausruhen und Verstecken, obendrauf ein schöner Aussichtspunkt für neugierige Hühner.
Zur Gefiederpflege und zum Schutz vor Parasiten benötigen die Hühner ein Staubbad/Sandbad, welches sie sich meist selbst in einem trockenen, geschützten Bereich (gerne unter Nadelbäumen) suchen oder welches in einem überdachtem Bereich zur Verfügung gestellt wird.
Ein kleiner überdachter Bereich ist von Vorteil, wenn starker Niederschlag herrscht – denn auch Hühner stehen nicht gerne im Regen.
Der gesamte Auslaufbereich sollte, vor allem in Wohngebieten oder in Straßennähe, sicher eingezäunt sein. Dazu eignen sich sämtliche Maschendrahtzäune, aber auch sehr dichtes, dorniges und reich verzweigtes Buschwerk wie Berberitzen, Feuerdorn und Schlehen. Die künstliche Einzäunung ist jedoch der natürlichen vorzuziehen, da eine konstante Höhe (von ca. 1,30 - 1,50m bei manchen Hennen sogar 1,80m) gewährleistet ist.
In manchen Gegenden oder auch in recht ungeschützten Ausläufen ohne Baumschutz ist es ratsam, ein Schutznetz über den Auslauf anzubringen, um Greifvögel, wie Habicht und Sperber, abzuwehren.
Die Schutzmaßnahmen gegen Fressfeinde, wie Fuchs, Marder und Raubvogel, sollten in jedem Fall ernst genommen und bei Bedarf umgesetzt werden.

Hühnerhaltung - Wichtige Infos - Der Auslauf

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Nahrung

Das Huhn ist ein Allesfresser, welches sich von Samen, Grünzeug, Würmern, Blindschleichen, Mäusen, Insekten und Schnecken ernährt. Die Legehybriden wurden während ihrer gesamten Zeit im Legebetrieb ausschließlich mit Legemehl versorgt.

Um die Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen zu gewährleisten, sollte für sie dauerhaft Legemehl zur Verfügung gestellt werden. Eine abrupte Umstellung auf Körnerfutter, Pellets und Beifutter kann nicht nur Verdauungsprobleme wie Durchfall hervorrufen, sie kann unter Umständen zu schweren Organschäden führen. Daher ist Fingerspitzengefühl gefragt.
Folgendes sollten im Laufe der Zeit und nach der Eingewöhnung angeboten werden:

  • Hauptsächliches Nahrungsmittel ist Hühnerfutter, das in verschiedenen Formen angeboten oder auch selbst zusammengestellt werden kann.
  • Zusätzliches Beifutter, welches gerne angenommen wird, sind gekochte Kartoffeln, Nudeln, Reis, eingeweichtes Brot, Gemüse und Obst. Besonders im Winter, wenn wenig bis kein Grünfutter zur Verfügung steht: Salat! Beifutter sollte jedoch nur in Maßen angeboten werden.
  • Grit/ Muschelschrot

Wer Lust und Zeit hat, kann seine Hühner mit allerlei Leckereien in Maßen verwöhnen:

  • Eiweiß, in tierischer Form als Mehlwürmer oder Futtergarnelen, körnigem Frischkäse, Quark
  • Selbstgezogene Keimlinge und Sprossen aus Gerste, Hafer, Mais und Weizen
  • Wassermelonen (sehr gut im Sommer aufgrund des hohen Wasseranteils)
Hühnerhaltung - Wichtige Infos - Nahrung

NICHT GEEIGNET und sogar GIFTIG für Hühner sind Avocado und Zitrusfrüchte   

Es ist sinnvoll, das Beifutter in separaten Schüsseln anzubieten und es zu entsorgen, wenn es nicht aufgefressen wird. Futter und Fütterungstechniken lassen einen großen Spielraum, ebenso die individuellen Vorlieben des einzelnen Huhns.

Trinkwasser

Frisch Trinkwasser muss ständig zur Verfügung stehen. Im Winter bieten sich Wärmeplatten an, die das Einfrieren des Trinkwassers verhindern.

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Anmeldung und Formalitäten

In Deutschland gilt die Meldepflicht von Pferden, Schweinen, Schafen, Ziegen, Gehegewild, Bienen und Geflügel. Die Hühner müssen deshalb bei der Tierseuchenkasse NRW (oder der entsprechenden Behörde eures Bundeslandes) sowie eurem zuständigen Veterinäramt angemeldet werden.

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
– Tierseuchenkasse NRW –
Nevinghoff 40
48147 Münster

Telefon: 0251 28982-0
Fax: 0251 2376-19103 ·
E-Mail: tierseuchenkasse@lwk.nrw.de

Bestandsbuch

Im Bestandsbuch werden alle Zu- und Abgänge eines Tierbestandes dokumentiert und festgehalten. Weiterhin dient es der Dokumentation von Medikamentengabe, Mengen, Arzneimittel-Abgabebelegen und Wartezeiten bis die Eier wieder verzehrt werden können.

Impfpflicht

Aufgrund der Geflügelpest-Verordnung müssen Hühner regelmäßig gegen die Newcastle Krankheit (auch ND, atypische Geflügelpest) geimpft werden. Sie erfolgt in Form einer Trinkwasserimpfung, kann aber auch durch eine jährliche Injektion durch den Tierarzt verabreicht werden.

Da der Impfstoff für die Trinkwasser- sowie die Injektionsimpfung nur in großen Mengen, ab 1000 Hühner, abgegeben wird, ist es ratsam, sich zu Impfzirkeln zusammenzuschließen und/oder bei Geflügelzuchtvereinen oder Tierärzten nachzufragen, zwecks Impfterminen.

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Verhaltensauffälligkeiten und Eingliederung von Neuankömmlingen

Die Hackordnung ist eine verhaltensbiologische Regelung, um die Rangordnung in der Gruppe festzulegen. Sie bringt ein Sozialgefüge in die Hühnerschar und entscheidet beispielsweise darüber, wer am Futter- oder Schlafplatz den Vorrang hat.

Bei bereits erwachsenen Tieren, die in eine bestehende Gruppe kommen, entscheidet die Auseinandersetzung über die zukünftige Rangfolge. Werden Hennen zu einer bereits bestehenden Hühnerschar gesetzt, landen sie meistens erst einmal an unterster Stelle. Da für sie alles neu ist, bringen sie zumeist nicht den Mut auf, sich sofort gegen einzelne Altmitglieder zu behaupten. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Besonders temperamentvolle und dominante Tiere stellen sich auch in neuer Umgebung dem Kampf. Damit diese „Kämpfe“ moderat ablaufen, brauchen die Hühner ausreichend Platz und eine artgerechte Haltung. Ein unterlegenes Tier kann bei Bedarf den anderen Hühnern ausweichen. Das reduziert den Stress der ganzen Gruppe.